ESBL- Bildner (Extended-Spectrum-Beta-Lactamase)
Extended-Spectrum-Beta-Lactamasen (ESBL) sind Enzyme, die von bestimmten Bakterien produziert werden und eine Vielzahl von Antibiotika unwirksam machen. Das betrifft vor allem die Antibiotikagruppe vom Typ der Betalactame. Diese Art der Antibiotikaresistenz kann von Bakterien untereinander weitergegeben werden. Die Isolationsmassnahmen sind also nicht nur wichtig um zu verhindern, dass sich das resistente Bakterium als Ganzes verbreitet, sondern auch, dass die Resistenz auf andere Bakterien übertragen wird.
Woher habe ich diesen Erreger?
Generell sind resistente Erreger häufiger, wenn diese durch Antibiotika selektioniert werden. Im Prinzip heisst das, dass bei bestehender Antibiotikatherapien nur noch resistente Erreger überleben. Da im Spital häufig Antibiotikatherapien nötig sind, sind Gesundheitseinrichtungen und Spitäler ein bekannter Übertragungsort. Nicht überall auf der Welt bestehen ähnliche Möglichkeiten zum Erkennen und Verhindern solcher Übertragungen. Sehr häufig werden daher bei Patientinnen und Patienten die im Ausland im Spital behandelt werden mussten, nach Rückkehr in die Schweiz diese Erreger gefunden. Bei Patientinnen und Patienten die wiederholt Antibiotikatherapien benötigen, können ebenfalls resistente Bakterien entstehen und selektioniert werden. Das kann sowohl die Bakterien betreffen, die die Infektion verursachen, aber auch Bakterien die auch normalerweise auf der Haut und im Darm vorhanden sind. Das ist ein wichtiger Grund, möglichst zurückhaltend Antibiotika anzuwenden.
Wie wird er übertragen?
Die Übertragung multiresistenter Erreger geschieht hauptsächlich bei engem körperlichem Kontakt. Im Spitalalltag ist dabei insbesondere auch die Übertragung via Hände (z.B. bei körperlicher Pflege) bekannt. Deswegen ist die Händehygiene bei Gesundheitsfachpersonen von zentraler Bedeutung. Damit kann das Risiko einer Übertragung gesenkt, aber eine Übertragung leider nicht vollständig verhindert werden.
Was muss ich zu Hause beachten?
Im Umgang mit der Familie inkl. Säuglingen und Kindern, mit Freundinnen und Freunden, Nachbarinnen und Nachbarn usw. sowie im Alltag (z.B. bei der Coiffeuse oder dem Coiffeur, beim Wäschewaschen, in der Sporthalle) sind keine speziellen Massnahmen nötig.
Was muss ich im Gesundheitssystem beachten?
Danke, dass Sie bei jeder Erstkonsultation Ihre medizinische Ansprechperson sowie nachbetreuenden Institutionen (wie z.B. Rehabilitationsklinik, Spitex, usw.) auf den multiresistenten Erreger hinweisen. Generell ist es während Ihres Spitalaufenthaltes wichtig, auf sorgfältige Händehygiene zu achten, direkten Körperkontakt mit anderen Patientinnen und Patienten zu vermeiden und auf Spitalbesuche nach Möglichkeit zu verzichten. Die meisten Massnahmen sind in verschiedenen Spitälern zwar ähnlich, aber im Detail nicht exakt gleich. Lassen Sie sich davon nicht verunsichern.
Wie werde ich den Erreger wieder los?
Wenn resistente Bakterien nachgewiesen werden, heisst das nicht, dass diese immer behandelt werden müssen oder man davon krank wird. Beinahe immer verschwinden diese Bakterien wieder von alleine. Es ist allerdings schwierig vorauszusagen, wie lange diese Bakterien vorhanden bleiben. Das kann von Person zu Person stark variieren. Bei Patientinnen und Patienten mit chronischen Leiden oder längerdauernden Antibiotikatherapie kann die Besiedlung mehrere Monate anhalten. In der Inselgruppe wird frühestens 6 Monate nach dem letzten Nachweis eines multiresistenten Bakteriums untersucht, ob man dieses noch findet. Man nennt dies Screening. Sind in mehreren Screenings die multiresistenten Erreger nicht mehr nachzuweisen, können die Massnahmen wieder aufgehoben werden. Die Aufhebung der Massnahmen erfolgt jeweils durch das Fachteam der Infektionsprävention und -kontrolle.
Brauchen alle multiresistenten Erreger eine Therapie?
Nein. Viele Bakterien sind auch bei gesunden Personen auf der Haut und im Darm nachzuweisen. Wenn sich dort nun ein resistentes Bakterium findet, heisst das nicht, dass man davon krank wird, oder dass man eine Therapie braucht.